Das Museum der Zukunft: Die neue Tate Modern

16 Mär

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"Überall Cafés, wo ist die Kunst", fragt eine ältere Dame während sie auf einen der Wegweiser blickt, die Besucher durch den neuen Anbau der Tate Modern in London führen. "Gleich hier", antwortet ihr Begleiter und zeigt auf das Schild daneben. Die beiden Kunstsuchenden sind einige der wenigen Glückspilze, die das "Switch House" bereits sehen dürfen, bevor es für die Öffentlichkeit am Freitag eröffnet wird.

Die Kunst ist in der Tat gleich hier, denkt man beim Erkunden des zehnstöckigen Baus der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. Weitläufig geschwungene Treppen aus Gießbeton, Gitter aus Ziegelsteinen und von Fensterfluchten erleuchtete Räume, die fließende Übergänge zwischen Ausstellung und Treppenhaus schaffen.

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Eine Bühne für Performance-Kunst

"Es ist ein tiefgehendes Einverständnis über die Philosophie, wie Kunst in der Tate ausgestellt werden soll", sagt Frances Morris, die Direktorin der Tate Modern über die Zusammenarbeit mit den Architekten. Für viele der modernen Kunstwerke braucht es flexible Ausstellungsräume. Ai Weiweis sieben Meter hoher Baum etwa fand bislang nur in der gigantischen Turbine Hall Platz.

"Das neue Gebäude gibt uns Raum für die Arbeit, die wir schon seit einem Jahrzehnt anstreben", sagt Catherine Wood, Kuratorin in der Tate Modern. Für Zeitgenössische Kunst die sich zwischen Performance, Film und digitalen Installationen bewegt, ist es schwer Platz in traditionellen Museumsräumen zu finden. Im neuen Switch House wurde deshalb Raum geschaffen, inklusive entsprechender Beleuchtung und Räumen für Filmvorstellungen.

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Die Zukunft der Kunst ist ein Museum der Zukunft

Mit Apps fürs Telefon, kostenlosem Internetzugang und interaktiven Ausstellungsangeboten gilt die Tate schon lange als Vorreiter der Besuchereinbindung. Doch es gibt noch mehr, dass die fünf Millionen Besucher jährlich erwarten können. "Die Kunst wird sie genauso besuchen, wie sie das Museum und die Kunst besuchen", sagt Kuratorin Wood. Kurz darauf stimmt eine Performancegruppe eine Melodie aus den Star Wars-Filmen an und läuft durch den Raum. Man versteht, was die Kuratorin meint, denn die gleiche Truppe bittet später die Besucher, sich mit ihnen in einer Formation aufzustellen.

Im Kern wird die Tate Modern aber ein Museum bleiben, versichert Wood. "Wir werden uns nicht von der Idee verabschieden, Kunstwerke im Zeitlauf der Geschichte auszustellen und zu erzählen, wie sie im Zusammenhang zueinander stehen", sagt die Kuratorin. Doch bei den Ausstellungen gibt es revolutionäre Fortschritte - zumindest für die Gleichberechtigung: Als erste Frau an der Spitze der Tate Modern will Francis Morris mehr Künstlerinnen in den Fokus stellen.

"Im vergangenen Jahrhundert wurde Frauen der Zugang zu vielen Berufsfeldern verwehrt", sagt Morris, "sie wurden dementsprechend nicht so anerkannt wie ihre männlichen Kollegen." Eine der neuen Ausstellungen widmet sich deshalb der Malerin Georgia O'Keefe, deren Gemälde oft herablassend als "Blumenbilder" bezeichnet werden.

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Ein kultureller Wandel für London

Als eine der vier landesweiten Tate-Häuser nimmt die Tate auch auf Außenstehende großen Einfluss - sogar die Politik. "Lange Zeit war Kultur einfach ein nettes Beiwerk", sagt Londons Bürgermeister Sadiq Khan bei seinem Besuch in der neuen Tate Modern. Das frischgewählte Stadtoberhaupt will die Kultur mehr in den Fokus seiner Regierungszeit rücken. "Um eine Weltstadt zu sein, muss London eine kreative Stadt sein." Dabei, so Khan, "sei die Tate Modern ein Vorreiter."

Um ihr Publikum noch mehr einzubeziehen, hat die Tate Modern deshalb noch weitere Projekte in Planung. Ein ganzes Stockwerk des neuen Switch House ist dem Tate Exchange gewidmet. Das Projekt soll im September starten: Künstler dürfen die Tate als ihr Atelier nutzen und gemeinsam mit beispielsweise offenen Radiokanälen, Bildungsinstituten und gemeinnützigen Einrichtungen ein Programm auf die Beine stellen. "Es wird ein experimenteller Raum", sagt Tate Modern Direktorin Morris. "Es ist unmöglich für mich vorherzusagen, wie es dort aussehen wird."

Kunst erfahrbar zu machen, gefiel auch den Architekten von Herzog & de Meuron: "Die Tatsache, dass man auf der Architektur sitzen kann, wir mögen das sehr", sagt Ascan Mergenthaler und meint die Fensterbänke entlang des Treppenhauses, die für Besucher zum Ausruhen gepolstert sind. Der Architekt ist einer der Partner bei Herzog & de Meuron und war für das Tate Projekt zuständig.

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Nummer 263: Das Tate Modern Projekt

Herzog & de Meuron waren bereits in den 1990er Jahren für die erste Gestaltung der Tate Modern zuständig. Damals war das Gebäude noch als städtisches Umspannwerk bekannt, gebaut vom britischen Architekten Sir Giles Gilbert Schott, aus dessen Hand auch die berühmte rote Telefonzelle stammt.

Nur fünf Jahre nach der Eröffnung der Tate Modern hatten die Schweizer Architekten aber bereits das nächste Projekt auf dem Tisch: Nummer 263, wie es im Opus des Architekturbüros in Basel heißt. Mit dem "Tate Modern Projekt" sollte eine zusätzliche Ausstellungsfläche von 60 Prozent geschaffen werden.

Während rund um das Tate Modern-Gebäude glatte, hohe Glasfassaden immer beliebter wurden, entschieden sich die Architekten für ein bewährtes Material: Ziegelsteine. "Wir haben Ziegel auf eine neue Ebene gehoben", sagt Mergenthaler. Statt eine soliden Mauer zu bauen, hüllte das Team das Gebäude in einen Schleier aus Steinen, die wie ein Netz angeordnet sind. "Es ist perforiert, so dass Sonnenlicht gefiltert wird", sagt Mergenthaler.

Der gesamte Ausbau der Tate Modern kostete 260 Million britische Pfund (328 Million Euro) und konnte nur mithilfe von Spenden realisiert werden. "Nicht sicher ob wir noch einen Anbau bauen müssen", sagt Mergenthaler lachend. Aber wer weiß, was die Zukunft der Kunst für die Tate Modern noch bereit hält.

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Autorin Maximiliane Koschyk

Permalink -  http://dw.com/p/1J84B


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