Deutscher Filmpreis 2022 hat drei Favoriten

13 Mai

Das Leben des Dramatikers Thomas Brasch, Andreas Dresens Betrachtung des Falls Kurnaz und ein Drama über den "Schwulenparagraf" konkurrieren in den Hauptkategorien um die Lola.

 

Die Filmbiografie über den Dichter Thomas Brasch ist in zwölf Kategorien nominiert, darunter für den besten Film, das beste Drehbuch, die beste Regie und mit Albrecht Schuch ("Bad Banks", "Fabian oder Der Gang vor die Hunde") für die beste männliche Hauptrolle.

Der Film zeichnet Braschs Aufstieg zum Schriftsteller nach, der im politischen System der DDR an die Grenzen der Freiheit stößt. Als er 1968 gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestiert, landet er im Gefängnis. 1976 siedelt er in den Westen über.

Die Tragikomödie "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" von Regisseur Andreas Dresen erhielt zehn Nominierungen. Hauptdarstellerin Meltem Kaptan und die Drehbuchautorin Laila Stieler waren bereits im Februar auf der Berlinale mit Silbernen Bären ausgezeichnet worden und können sich nun auch Hoffnungen auf die Lola machen.

Filmemacher Dresen ist für die beste Regie, Alexander Scheer ("Gundermann") für die beste männliche Nebenrolle nominiert. Außerdem zählt "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" zu den Nominierten für den besten Spielfilm. Der Film erzählt die Geschichte des in Guantanamo unter Terrorverdacht inhaftierten Deutschen Murat Kurnaz aus der Sicht seiner Mutter Rabiye, die sich wie eine Löwin für die Freilassung ihres Sohnes einsetzt.

Homosexueller unter Mördern

Die deutsch-österreichische Koproduktion "Große Freiheit", die im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes einen Jurypreis erhielt, bekam acht Nominierungen für den Deutschen Filmpreis. Der Film von Sebastian Meise begleitet den homosexuellen Hans, der im Zweiten Weltkrieg im KZ saß und in Nachkriegsdeutschland immer wieder mit Mördern im Gefängnis landet - weil der erst 1994 abgeschaffte Paragraf 175 - verächtlich "Schwulenparagraf" genannt - sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellt.

Die Liste der Nominierten in der Kategorie Bester Spielfilm komplettieren "Wunderschön", "Contra" und die internationale Koproduktion "Spencer" über Prinzessin Diana, die während eines Weihnachtsfestes beschließt, sich von Prinz Charles zu trennen. "Spencer", bei zahlreichen Preisverleihungen weitgehend ignoriert, wurde unter anderem in Brandenburg gedreht.

Brüche im Dokumentarfilm

Drei Filme konkurrieren um die Lola für den besten Dokumentarfilm: "We Are All Detroit" zeichnet die Parallelen und Abhängigkeiten von Bochum im Ruhrgebiet und der US-Industriestadt Detroit nach, deren Autoindustrie in der Zeitenwende vor ehemals ungeahnten Herausforderungen steht. 

"The Other Side of the River" porträtiert eine 19-Jährige, die sich erst dem Patriarchat entzieht, um dann mit einer weiblichen Verteidigungseinheit gegen die Terrormiliz IS zu kämpfen. "Wem gehört mein Dorf" begleitet eine Bürgerinitiative, die sich zum Schutz eines Naturschutzgebiets auf Rügen den Plänen eines Bauinvestors entgegen stellt.

Die Filmpreise werden am 24. Juni 2022 verliehen. Bereits fest steht der Ehrenpreisträger: Der Kameramann Jürgen Jürges wird für sein Lebenswerk geehrt. Jürges drehte mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders und Volker Schlöndorff und war Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie. 2020 war er an der filmischen Umsetzung des Dau-Projektes von Ilja Chrschanowski beteiligt.

 

Autor Torsten Landsberg

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