Ebola-Sorge vor Fußball-WM: USA fordern von Europa Maßnahmen

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Nach dem Ebola-Ausbruch in Afrika will die US-Regierung eine Übertragung des Virus auf den amerikanischen Kontinent verhindern. Im Blick hat sie die am Donnerstag beginnende Fußball-Weltmeisterschaft.

 

Die US-Regierung hat europäische Länder zu Einreisebeschränkungen für Personen aufgefordert, die aus den von Ebola betroffenen zentralafrikanischen Staaten ankommen. Die Vereinigten Staaten hätten am 1. Juni eine entsprechende formelle diplomatische Note an europäische Regierungen übermittelt, sagten ein in Afrika ansässiger Diplomat der Europäischen Union. Eine Reaktion der EU-Staaten stehe noch aus.

Zudem hat US-Außenminister Marco Rubio das Thema am Dienstag in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erörtert, wie sein Ministerium mitteilte. Das ‌vorrangige Ziel bleibe der Schutz der US-Bürger - besonders im Hinblick auf die am Donnerstag beginnende Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, den USA und Kanada. ‌

Die US-Gesundheitsbehörde ‌CDC hatte im Mai ein Einreiseverbot für Ausländer verhängt, die sich in den vorangegangenen 21 Tagen in der Demokratischen Republik Kongo, Uganda oder dem Südsudan aufgehalten haben. Bürger der USA müssen sich bei der Rückkehr in ihre Heimat an ausgewählten Flughäfen Kontrollen unterziehen.

 

Fast 600 bestätigte Ebola-Fälle nun in der DR Kongo

Die Demokratische Republik Kongo registriert inzwischen nach eigenen Angaben eine deutliche Zunahme der bestätigten Ebola-Fälle. Die Zahl der Infektionen mit dem Bundibugyo-Stamm des Virus sei auf 598 gestiegen, teilte die Regierung mit. 115 Menschen seien nach einer Ebola-Infektion gestorben, 22 Patienten hätten sich erholt. Die Behörden dort hatten den Ebola-Ausbruch Mitte Mai bekanntgegeben. Zuvor war er vermutlich relativ lange nicht bemerkt worden - auch, weil es keine geeigneten Tests zum Nachweis dieser Virusvariante gab.

Die Epidemie betrifft drei von bewaffneten Konflikten geprägten Provinzen im Kongo: Ituri, Nord-Kivu ‌und Süd-Kivu. In Ituri seien 17 Gesundheitszonen ‌betroffen, in Nord-Kivu sieben und in Süd-Kivu eine. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, bei Symptomen wie Fieber, Erbrechen, Durchfall oder starker Schwäche umgehend das nächste Gesundheitszentrum aufzusuchen. Misstrauen gegenüber Gesundheitspersonal und Angriffe auf Bestattungsteams und Behandlungszentren erschwerten die Bekämpfung.


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Gewaltsamer Protest gegen US-Quarantäneeinrichtung in Kenia

In Kenia gehen die heftigen Proteste gegen ein geplantes Quarantänezentrum für US-Bürger weiter. Viele Kenianer werfen den USA vor, das Gesundheitsrisiko bei der Versorgung möglicher Infizierter auf ihr Land abzuwälzen. Bei Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Demonstranten und Sicherheitskräften in der Stadt Nanyuki wurde ein Mensch getötet, wie der Direktor der Hilfsorganisation Vocal Africa, Hussein Khalid, bestätigte. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurde eine weitere Person verletzt.

Kenia selbst hat noch keinen Ebola-Fall registriert. In dem Quarantänezentrum auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia sollen US-Bürger unterkommen, die in der weiter westlich gelegenen Demokratischen Republik Kongo womöglich in Kontakt mit dem Virus gekommen sind. Das Zentrum soll über 50 Isolierbetten verfügen, von US-Mitarbeitern verwaltet werden und steht offenbar kurz vor der Fertigstellung.

 

Zustand von US-Patient in Charité zeitweise lebensbedrohlich

In Deutschland wurde indes bekannt, dass der Zustand des Patienten, der in der Berliner Charité nach seiner Ebola-Infektion behandelt wurde, zwischenzeitlich lebensbedrohlich war. Vor allem die Stunden zwischen dem Abflug des US-amerikanischen Arztes aus Uganda und der Ankunft in Deutschland seien kritisch gewesen, sagte Charité-Arzt Leif Erik Sander bei einer Pressekonferenz. Sander ist der Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin.

Nach gut zwei Wochen Behandlung in der Berliner Charité war der US-Amerikaner vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo bei einer Patientin angesteckt. Auch seine Frau und seine vier Kinder kamen in die Charité, hatten aber keine Symptome. Sie befanden sich in einem abgetrennten Teil der Station in Quarantäne.

Die Frau sei ebenfalls Ärztin und hätte im Kongo die gleiche Patientin wie ihr Mann behandelt, so Sander. Bei Kindern könne Ebola "sehr rasch" zum Tode führen. Deswegen sei die Familie täglich untersucht worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus zu einem gesundheitlichen Notfall von internationaler Tragweite erklärt.

 

se/AR (rtr, ap, afp, dpa)

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Ebola-Ausbruch: WHO-Chef fordert Waffenstillstand im Kongo

 

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo erschweren bewaffnete Konflikte die Bekämpfung des Ebola-Virus. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringt angesichts des Ausbruchs der gefährlichen Krankheit Ebola im Osten der Demokratischen Republik Kongo auf einen sofortigen Waffenstillstand. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die anhaltenden Kämpfe in der Region als das größte Hindernis bei der Eindämmung der Krankheit. Bei seinem Besuch in der Provinz Ituri, dem Zentrum des aktuellen Ausbruchs, warnte er, dass Gewalt und Unsicherheit die medizinische Versorgung massiv behinderten und damit Menschenleben gefährdeten.

Nach seiner Ankunft in der Provinzhauptstadt Bunia rief Tedros die Konfliktparteien dazu auf, die Waffen zumindest vorübergehend schweigen zu lassen. "Wir können nicht helfen, solange Helfer um ihre Sicherheit und ihr Leben fürchten müssen", erklärte er in einem von der WHO veröffentlichten Brief an die Bevölkerung des Landes. "Ein Waffenstillstand, selbst ein kurzer, würde Leben retten."

 

Ebola-Ausbruch trifft auf unsichere Sicherheitslage

Die Sicherheitslage in der Region hat sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert. Nach Angaben der WHO wurden allein im vergangenen Monat durch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellengruppen rund 100.000 Menschen vertrieben. "Das macht es sehr schwierig, den Ausbruch einzudämmen", sagte Tedros in einer auf der Plattform X verbreiteten Stellungnahme. Viele Betroffene seien auf der Flucht und damit für Gesundheitsbehörden kaum erreichbar.

Besonders problematisch ist, dass der aktuelle Ausbruch durch die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht wird. Gegen diesen Virusstamm gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung. Nach Angaben der WHO kann die Ausbreitung deshalb derzeit nur durch konsequente Isolierung von Infizierten und ihren Kontaktpersonen gestoppt werden. Kontaktpersonen müssten sich für mindestens drei Wochen isolieren. In den von Kämpfen geprägten Gebieten sei dies jedoch oft kaum möglich.

Zusätzlich erhöht die Bevölkerungsdichte in den Bergbauregionen Ituris das Risiko weiterer Ansteckungen. Die WHO arbeitet nach Angaben ihres Generaldirektors gemeinsam mit Partnern daran, klinische Studien zu möglichen Impfstoffen und Therapien zu beschleunigen. Die wissenschaftlichen Beratungsgremien der Organisation haben bereits Studien zu mehreren vielversprechenden Produkten empfohlen, die möglicherweise gegen den Bundibugyo-Stamm wirksam sein könnten.

Die WHO will dabei eng mit den Behörden der Demokratischen Republik Kongo sowie des Nachbarlandes Uganda zusammenarbeiten. Bis mögliche Behandlungen verfügbar seien, würden allerdings noch mehrere Monate vergehen.

 

WHO-Chef zeigt sich zuversichtlich

Trotz der schwierigen Lage zeigte sich Tedros grundsätzlich optimistisch. Bei seiner Ankunft in Kinshasa erklärte er vor Journalisten, der Ausbruch könne "gestoppt werden". Bereits zuvor hatte er an die Bevölkerung des Landes appelliert: "Gemeinsam werden wir diesen Ausbruch überwinden." Zugleich versprach er, "alles in meiner Macht Stehende zu tun, um Ihnen zu helfen".

An diesem Mittwoch meldete die WHO den ersten Genesungsfall nach einer bestätigten Ebola-Infektion in der Demokratischen Republik Kongo. Die Behörden im Kongo hätten mitgeteilt, dass ein Patient genesen sei und das Krankenhaus verlassen habe, sagte die WHO-Spezialistin Anaïs Legand vor Reportern. Es handele sich um die erste Person, die seit Beginn der Epidemie nach zwei negativen Tests aus einem Behandlungszentrum nach Hause geschickt worden sei.

Kritisch äußerte sich der WHO-Chef zu Reisebeschränkungen als Mittel der Seuchenbekämpfung. Die WHO unterstütze keine Reiseverbote, da diese "nicht viel bringen". Hintergrund sind unter anderem Einreisebeschränkungen der USA für Menschen aus den betroffenen Ländern. Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat die Europäischen Union zu strengeren Grenzkontrollen aufgefordert, teilte die Regierung in Rom mit.

 

Fast 1000 bekannte Verdachtsfälle im Kongo

Die WHO geht derzeit von einem deutlich größeren Ausmaß des Ausbruchs aus, als bislang bestätigt werden konnte. In der Demokratischen Republik Kongo gibt es nach Angaben der WHO inzwischen 906 bekannte Ebola-Verdachtsfälle. Darunter seien 223 mutmaßliche Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus, die derzeit untersucht würden, teilte die WHO mit.

Bislang gibt es nach WHO-Angaben 125 bestätigte Ebola-Fälle im Kongo, darunter 17 Todesfälle in den östlichen Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Zudem seien neun bestätigte Ebola-Fälle in Uganda aufgetreten, von denen drei aus dem Kongo eingeschleppt worden seien. Ein Todesfall sei registriert worden, erklärte das Gesundheitsministerium in Uganda.

 

Ebola verschärft bestehende Notlage

Parallel zur Gesundheitskrise verschärft sich die ohnehin angespannte humanitäre Lage im Osten des Landes. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF teilte mit, dass 100 Tonnen Hilfsgüter aus der Europäischen Union in Bunia eingetroffen seien. Die Lieferung umfasst Schutzausrüstung für medizinisches Personal, Medikamente sowie Hygieneartikel und soll etwa 100.000 Menschen zugutekommen. Hilfsorganisationen warnen jedoch, dass die Unterstützung vielerorts nicht mehr ausreicht. Die Welthungerhilfe spricht von der Gefahr einer humanitären Katastrophe in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. 

Dort seien bereits rund zehn Millionen Menschen von bewaffneten Konflikten, Vertreibung und stark eingeschränktem Zugang zu humanitärer Hilfe betroffen. "Die Menschen im Osten des Kongos kommen seit Jahren nicht zur Ruhe - erst Hunger, Krieg und Vertreibung, und nun auch noch Ebola", sagte Ursula Langkamp, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in der Demokratischen Republik Kongo. "Durch den gefährlichen Ebola-Ausbruch eskaliert die Lage."

 

WHO appelliert an Geberländer

Nach Angaben der Organisation erreichen Hilfslieferungen inzwischen manche Konfliktgebiete überhaupt nicht mehr. Zudem belasten steigende Preise für Lebensmittel und Transport sowie geschlossene Grenzen die Bevölkerung zusätzlich. Auch die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs wirkten sich auf die Region aus. 

"Wenn gleichzeitig Hilfsgelder gekürzt werden, Preise für Lebensmittel und Transport massiv steigen und Grenzen geschlossen werden, geraten immer mehr Menschenleben in Gefahr", warnte Langkamp. Vor diesem Hintergrund appellierte WHO-Chef Tedros an die internationale Gemeinschaft, ihre finanzielle Unterstützung deutlich auszuweiten. Nur so könne sichergestellt werden, dass das Gesundheitspersonal vor Ort mit den notwendigen Hilfsgütern ausgestattet werde und der Ebola-Ausbruch unter Kontrolle gebracht werden könne.

 

pgr/seAR (kna, afp, dpa)

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