FIFA-Chef Infantino relativiert WM-Pläne

2 Apr

Wer auf dem 72. FIFA-Kongress in Doha klare Ansagen vom Präsidenten erwartet hat, darf enttäuscht sein. 

Bei seinem großen Auftritt hält es Gianni Infantino eher mit dem butterweichen Motto: "Alles kann, nichts muss." Auch beim größten Aufreger, dem seit Monaten heiß diskutierten Plan, die WM alle zwei Jahre auszutragen. "Ich möchte klarstellen: Die Fifa hat nie eine WM alle zwei Jahre vorgeschlagen", behauptet Infantino, der selbst nachdrücklich für diese Idee geworben hatte. Das kann man als Rückzug deuten. Oder ist es ein taktisches Manöver des Schweizers? "Wir werden versuchen, eine Diskussion zu führen, um etwas zu finden, das allen am besten passt", fügt er noch hinzu.

Schonung für Russland, Lob für Katar

Solche sportpolitischen Winkelzüge beherrscht der 52 Jahre alte Schweizer. Seit 2016 steht Infantino an der Spitze des Fußball-Weltverbands und hat in bisher zwei Amtszeiten auch höchst umstrittene Projekte durchgesetzt, etwa die WM-Aufstockung: Ab 2026 werden 48 Teams am WM-Turnier teilnehmen.

Sein Auftritt in Doha lässt sich nun wie eine Blaupause seiner bisherigen Amtsführung lesen: Zum Auftakt verurteilt er den Krieg in der Ukraine. Die Ereignisse ließen ihn "mit schwerem Herzen" zurück, sagt Infantino. Er ruft zum Frieden auf. Die Rolle Russlands aber, als Aggressor in diesem Krieg, lässt er unerwähnt und lobt das dortige WM-Turnier 2018 sportlich und kulturell als "großartigen Erfolg". Ein Ausschluss oder eine Suspendierung des russischen Verbands wird auf der Veranstaltung nicht einmal diskutiert. 

Besondere Beziehungen, auch das wird klar, hat er zu Katar, dem umstrittenen WM-Gastgeber in diesem Jahr. Infantino begrüßt die WM-Macher als "Brüder" und verfolgt später mit starrer Miene die klaren Worte von Lise Klaveness. Die Chefin des norwegischen Fußballverbands fordert, dass die FIFA "als moralisches Vorbild agieren müsse" und übt klare Kritik an den Missständen in dem Emirat. Der Präsident dagegen scheut sich auch danach nicht vor großer Nähe zu den finanzstarken Investoren.

Kein Wunder, man kennt sich. Neben fünf anderen Sprachen spricht Infantino auch fließend Arabisch. Seit einem halben Jahr lebt er in Katar, gemeinsam mit seiner Familie hat er seinen Lebensmittelpunkt aus der Schweiz an den Persischen Golf verlegt. "Was in anderen Ländern Generationen gedauert hat, wurde hier in ein paar Jahren erreicht", lobt Infantino, dass sich die Menschenrechtssituation dort verbessert habe. Ein Verdienst, das sich der FIFA-Präsident gerne auf die eigene Fahne schreibt. Ebenso, wie die nach seinen Worten "trotz Pandemie sprudelnden" Finanzen.

Infantino will weitermachen

In einem Punkt wird Infantino in Doha dann aber doch noch einmal sehr präzise. Der versammelten FIFA-Familie ruft er zu: "Ich will euch als Erster mitteilen, dass ich mich auf dem 73. Kongress zur Wiederwahl stelle." Infantino will weiter an der Macht bleiben. Insgesamt zwölf Jahre darf er laut FIFA-Statuten Präsident bleiben - wenn er gewählt wird.

 

Autor Jens Krepela

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Meinung: Die DFB-Elf kämpft gegen den Trend

 

Die WM-Auslosung hat der deutschen Mannschaft eine machbare Gruppe beschert. Aber das ist zweitrangig. Denn das Team muss unter Beweis stellen, dass die jüngsten Misserfolgserlebnisse kein Trend sind.

"Wir wollen den WM-Titel ins Visier nehmen", sagte Thomas Müller. "Wir wollen Weltmeister werden", bestätigte Teamkapitän Manuel Neuer. Diese Ankündigungen haben die deutschen Nationalspieler schon vor ein paar Tagen gemacht. Die Richtung steht für das DFB-Team also fest. Nun, an diesem Freitag in Doha, hat die Mission Katar für die deutsche Nationalmannschaft endgültig begonnen. Rund acht Monate vor dem ersten Anpfiff stehen nun die Gruppen-Gegner fest.

Die Auslosung spülte die Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick in die Gruppe E mit Spanien, Japan und dem Sieger des Playoff-Spiels zwischen Neuseeland und Costa Rica. Es hätte durchaus schwierigere Konstellationen für die deutsche Mannschaft gegeben. Allerdings dürfte sich der Blick der Spieler und Verantwortlichen bei diesem Turnier weniger auf die Gegner, sondern vielmehr auf sich selbst richten. Denn nach der völlig verkorksten WM 2018 in Russland mit dem Aus in der Vorrunde und dem Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 gegen England geht es für alle Beteiligten erst einmal darum, die richtige Haltung zu dem anstehenden Turnier zu finden.

Neue Erfolgsattribute unter Bundestrainer Flick

Noch können die beiden folgenschweren Misserfolgserlebnisse entweder als Formschwäche, unglücklicher Umstand oder schlechte Tagesverfassungen abgetan werden. Da ist die Auswahl individuell. Sollte es in Katar allerdings eine Neuauflage des frühzeitigen Scheiterns geben, so wäre erstmals ein Trend erkennbar, der auch nicht mehr mit den Folgen einer Amtsmüdigkeit von Bundestrainer-Vorgänger Jogi Löw erklärbar ist. 

Unter Neu-Coach Hansi Flick präsentiert sich das deutsche Team bislang allerdings in einem völlig anderen Licht. Motiviert, engagiert, lauffreudig, siegeswillig sind nur einige Attribute, die der 57-Jährige den Spielern wieder mit auf den Weg gegeben hat. All das war auf dem langen Weg unter Löw irgendwann, irgendwo, verloren gegangen. Spitzenspieler wie Leroy Sané blühen plötzlich auf, Talente wie Jamal Musiala bekommen ausreichend Gelegenheit, ihr großes Können zu zeigen. Die gelangweilte Routine ist einem neuen Enthusiasmus gewichen.

Der deutsche Blick auf die WM in Katar darf - abgesehen von allen äußerst schwierigen Menschenrechts- und anderen politischen Fragen - aus sportlicher Sicht wieder optimistisch sein. Und das ist die beste Nachricht, die von dem Tag der Auslosung und dem inoffiziellen WM-Beginn ausgeht.   

 

Autor Jörg Strohschein

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