Karneval 2022 - was geht in diesem Jahr?

24 Feb

Im letzten Jahr blieben die Clown- und Piratenkostüme in den Schränken hängen, denn wegen der Corona-Pandemie fiel der Karneval zum großen Leidwesen aller Närrinnen und Narren aus. Doch in diesem Jahr darf in den Karnevalshochburgen, allen voran Köln, Düsseldorf und Mainz, endlich wieder gesungen und gelacht werden - allerdings Corona-konform. Mit Impfnachweisen, Masken und negativen aktuellen Tests will man dem Virus Einhalt gebieten. Und die Narren fragen sich: Partys, Umzüge, Kneipenkarneval - was genau ist erlaubt zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch? 

Große Umzüge sind abgesagt

Traditionell wird der Straßenkarneval um 11 Uhr 11 an Weiberfastnacht eingeläutet - dem närrischen Donnerstag also, an dem die Frauen das Sagen haben, den Männern die Schlipse abschneiden und in manchen Städten sogar das Rathaus stürmen. 2022 fällt Weiberfastnacht auf den 24. Februar - und ab dann wird bis Aschermittwoch, dem Beginn der christlichen Fastenzeit, ausgiebig gefeiert.

Höhepunkt des Karnevals ist für viele der Rosenmontagszug. Zigtausende stehen dann am Straßenrand und feiern dichtgedrängt und ausgelassen. Zu gefährlich in Corona-Zeiten, deswegen entschieden sich die Organisatoren schweren Herzens, alle Züge abzusagen - auch die so beliebten kleinen Umzüge in den einzelnen Stadtvierteln. 

Ganz verzichten will man aber nicht. In Düsseldorf hat man den beliebten Umzug kurzerhand in das Frühjahr verlegt, angedacht ist der 29. Mai. Das sei so, als ob man Ostern Weihnachten feiert, lästerten die Kölner. In der rheinischen Metropole hat man sich etwas anderes überlegt: Der Rosenmontagszug soll am 28. Februar in einer deutlich abgespeckten Version durchs RheinEnergie-Stadion, das Fußballstadion der Stadt, ziehen: Auf einer Strecke von 300 Metern - statt der gewohnten 7,5 Kilometer - fahren 22 Persiflagewagen und 20 Festwagen an den Narren vorbei. Tanzgruppen, Spielmannszüge und Reitergruppen sind auch mit von der Partie  - alles unter dem diesjährigen Motto "Alles hät sing Zick" (Kölsch für "Alles hat seine Zeit"). Gerade mal 8.800 Narren sind im Stadion zugelassen, und sie müssen natürlich geimpft oder genesen sein, einen negativen Corona- Test vorweisen und Masken tragen. 

Ein Persiflagewagen für den Rosenmontagszug mit dem Motiv Putins Spielchen, auf dem sich eine Putin-Figur eine neue Sowjetunion zusammenbaut, "Putins Spielchen" heißt dieser Persflagewagen: Russlands Präsdent baut sich eine neue Sowjetunion zusammen. Die beliebten Persiflagewagen, die der Gesellschaft sowie der Politik der Spiegel vorhalten, werden anschließend 24 Stunden lang an zentralen Orten des sonst üblichen Zugwegs ausgestellt. So sollen alle Kölnerinnen und Kölner mit genug Abstand voneinander die Möglichkeit haben, sich an den mit viel Herzblut gebauten Wagen zu erfreuen. 

Party in der "Brauchtumszone" 

Dass die beliebten Umzüge Corona zum Opfer fallen, lässt die Herzen der Karnevalisten bluten. Doch es gibt Licht am närrischen Horizont: Denn spontanes Feiern ist wieder möglich, nachdem die Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Januar sogenannte "räumlich abgegrenzte Brauchtumszonen" proklamierten. Demnach werden die Närrinnen und Narren in allen Regionen, in denen traditionsgemäß Karneval gefeiert wird, wieder ausgelassen durch die Straßen ziehen dürfen -  sogar ohne Mundschutz. Allerdings unter den üblichen Bedingungen wie Impfnachweis und Test - vor allem dort, wo größere Menschenansammlungen zu erwarten sind. Wie das kontrolliert werden soll und vor allem von wem, verrät die Landesregierung allerdings nicht.  

Feiernde Kölner Narren in Kostümen

Feiert das Corona-Virus mit? In Köln erklärte die Bürgermeisterin Henriette Reker kurzerhand die gesamte Stadt zur Brauchtumszone. Die Maskenpflicht ist für die Zeit überall aufgehoben. Öffentliche Großveranstaltungen sind zwar nicht erlaubt, aber die traditionelle Bühne auf dem Alter Markt im Herzen der Stadt wird trotzdem aufgebaut. Hier eröffnet Reker den Straßenkarneval und die Narren schunkeln zur Musik lokaler Musikgruppen. In diesem Jahr haben allerdings nur 750 Gäste Zugang. 

Im Mainz ist die Brauchtumszone auf zentrale Plätze begrenzt. Die werden abgesperrt und können nur mit vorheriger Anmeldung betreten werden. In Düsseldorf ist man vorsichtiger: Wegen steigender Infektionszahlen gibt es gar keine Brauchtumszone.

Kneipen dürfen öffnen

Aber es gibt ja auch noch den Kneipenkarneval. In den Jahren vor Corona waren sie an den närrischen Tagen proppenvoll - das soll diesmal anders sein. Und rein darf nur - wir kennen das schon - wer geimpft oder genesen ist. Selbst Geboosterte müssen einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen. Man darf singen und schunkeln, aber nicht tanzen, verkündete Kölns Bürgermeisterin - und die Wirte sollen dafür sorgen, dass all diese Bedingungen eingehalten werden. Kein leichtes Unterfangen unter so vielen feierfreudigen Närrinnen und Narren... Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit einem saftigen Bußgeld rechnen.

Fraglich bleibt weiterhin, ob die Kölner Tradition des Nubbel-Verbrennens dieses Jahr stattfindet. Der Nubbel ist eine Puppe aus Stroh, die in der Nacht von Dienstag auf Aschermittwoch zu Grabe getragen wird. Jede Kneipe, die etwas auf sich hält, hat ihren eigene Nubbel - die Stammgäste folgen wehklagend dem Sarg mit der Puppe, die symbolisch die Karnevalssünden der Narren verkörpert. Hat man sein ganzes Geld versoffen, hat man den Ehemann oder die Ehefrau betrogen? Sobald der Nubbel brennt, sind alle Missetaten vergessen. 

Karneval im Auto oder zu Hause

Karnevalisten, denen die ganzen Auflagen zu kompliziert sind oder die dem Virus noch nicht über den Weg trauen, werden auch 2022 eher zu Hause bleiben. Aber zum Trost gibt es einen Streaming-Service der den Kölner Karneval Corona-konform ins Wohnzimmer verlegt. Auf der Plattform "Jeckstream" kann man sich seine eigene Karnevalssitzung zusammenstellen und Lieblingsbands und -künstler auf den Heimfernseher holen und als Clown oder Pirat auf dem heimischen Sofa mitschunkeln. 

Alternativ kann man auch zum "jecken Drive-In-Spektakel" fahren und auf dem Parkplatz eines Kraftwerks im Auto Karnevalsgefühle ausleben. Immerhin an drei Abend stehen bekannte Kölner Bands auf der Bühne.  

Fazit: Feiern ist zwar auch in diesem Corona-Jahr eine Herausforderung, aber trotzdem kann man die sogenannte "fünfte Jahreszeit" endlich wieder gebührend begehen. In dem Sinne rufen wir allen Karnevalisten des Rheinlandes die närrischen Schlachtrufe "Alaaf" und "Helau" zu.

Autorin/Autor: Kevin Tschierse, Dagmar Breitenbach

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