Paul Gauguin und der Traum vom Südseeparadies

26 Mär

Von Frankreich und seinen Künstlerkollegen hat Paul Gauguin 1891 genug, insbesondere von Vincent Van Gogh, mit dem er intensiv zusammengearbeitet hat. 

Schließlich verlässt der Maler Paris - seine Familie lässt er zurück - und sucht die Ehrlichkeit und Reinheit im Menschen. Er glaubt, diese nur in unberührten Zivilisationen zu finden. Auf Tahiti und später auf der Marquesas-Insel Hiva Oa (Französisch-Polynesien) hofft er sie zu finden. Er lebt und arbeitet hier von 1891 mit einer Unterbrechung bis zu seinem Tod 1903, im Alter von nur 54 Jahren. 

Weit weg von seinen französischen Malerkollegen hat er sein Sujet gefunden: Das einfache Alltagsleben der Tahitianer. Seine Südsee-Gemälde sind wahrlich tropisch mit reinen starken Farben, es entstehen eine Vielzahl an bedeutenden und bis heute bekannten Werken. Er malt Frauen am Strand, bei der Ernte, unter einem Baum sitzend, halbnackte Porträts mit Früchten in der Hand. Es ist vor allem eine vermeintliche Exotik, die es ihm angetan hat. Eigentlich ist er Gegner des Kolonialismus. Das hindert ihn aber nicht daran, jenseits von Staffel und Leinwand wiederholt fragwürdige Beziehungen mit 13-jährigen Mädchen einzugehen.

Mythos vom unberührten Naturparadies

Mit seinen Südsee-Gemälden prägte Paul Gauguin, 1848 in Paris geboren, einen Mythos, der in Europa bereits zirkulierte: Im 18. Jahrhundert waren mehrere Reiseberichte europäischer Seefahrer erschienen, in denen Inseln wie Tahiti zu utopischen Naturparadiesen stilisiert wurden, wo die freie und öffentliche Liebe wie eine Religion praktiziert werde. 

Ein unberührtes Südseeparadies fand der Maler auf der kolonialisierten Insel jedoch nicht vor. In seinem Reisetagebuch "Noa Noa" zeigte er sich im Gegenteil "angewidert von der ganzen europäischen Trivialität" und "enttäuscht von Dingen, die so fern von dem waren, was ich mir gewünscht und vor allem vorgestellt hatte". Doch weder seine Enttäuschung noch die Kolonialisierung finden sich in seinen Gemälden wieder. Sind seine Motive eher einem Wunschdenken entsprungen als der Wirklichkeit?

"Warum bist du wütend?"

Wie sich Gauguins Südsee-Mythos und die Geschichte der Kolonialisierung gegenüberstehen, untersucht die Ausstellung "Paul Gauguin - Why Are You Angry?". Sie versucht aufzuzeigen, welchen Anteil Gauguin auf koloniale Vorstellungen hatte, inwiefern seine Perspektive das damalige Narrativ abbildete oder sogar prägte. Nachdem sie zunächst in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen zu sehen war, reist sie nun in die Alte Nationalgalerie in Berlin.

Namensgeber der Ausstellung ist ein Gemälde Gauguins, das im tahitianischen Original "No te aha oe riri" heißt. Es entstand 1896 während des zweiten Tahiti-Aufenthalts des Künstlers. Die leichtbekleideten Frauen haben ihren Blick vom Betrachter abgewandt, zwischen ihnen laufen vereinzelt Hühner herum. Der rätselhafte Titel widersetzt sich einer eindeutigen Interpretation. Und auch die Ausstellung bemüht sich um verschiedene Perspektiven auf Gauguins künstlerisches Werk.

So betrachtet sie "die Werke Gauguins, die auch von westlichen, kolonialen Vorstellungen von Exotik und Erotik geprägt waren, vor dem Hintergrund aktueller Diskurse", wie es in einer Pressemitteilung der Alten Nationalgalerie heißt. Dafür treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander: Gauguins Werke aus Tahiti werden mit Positionen der zeitgenössischen Künstlerinnen Angela Tiatia, Yuki Kihara, Rosalind Nashashibi und Lucy Skaer konfrontiert. Einige der Künstlerinnen stammen aus dem Südpazifik. Sie stellen sich gegen die lange Tradition eines fremdbestimmten, westlichen Blicks auf die Südsee - und brechen das Klischee der exotischen, verfügbaren Frau.

Autorin: Nadine Wojcik, Maria John Sánchez

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