Rijksmuseum: "Neuer" Rembrandt entdeckt

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Das Rijksmuseum in Amsterdam hat dem niederländischen Meister ein Gemälde zuordnen können, dem man vor Jahrzehnten seine Echtheit abgesprochen hatte. "Vision von Zacharias im Tempel" ist nun zweifelsfrei ein Rembrandt.

 

Das Gemälde, das einst als Werk von Rembrandt van Rijn verworfen wurde, konnte ihm nun nach zweijähriger Untersuchung zugeordnet werden, teilte das Rijksmuseum in Amsterdam am Montag mit. Dank modernster Scanner-Technik und Stilanalysen hätten die Wissenschaftler nachweisen können, dass das Gemälde "Vision von Zacharias im Tempel" aus dem Jahr 1633 ein echter Rembrandt sei.

"Materialanalysen, stilistische und thematische Ähnlichkeiten, von Rembrandt vorgenommene Änderungen und die gesamte Qualität des Gemäldes stützen alle die Schlussfolgerung, dass dieses Gemälde eine echte Arbeit von Rembrandt van Rijn ist", erklärte das Rijksmuseum. Das Bild war dem Museum demnach kürzlich aus einer Privatsammlung zur Untersuchung übergeben worden. Als Langzeitleihgabe soll es nun ab Mittwoch im Rijksmuseum ausgestellt werden.

 

Doch ein echter Rembrandt

"Wir hoffen immer, einen neuen Rembrandt zu finden, aber das passiert nur selten", sagte der Direktor des Rijksmuseums, Taco Dibbits, der Nachrichtenagentur AFP. Das Werk aus dem Jahr 1633 zeigt die Vision des Zacharias im Tempel: Der durch ein Licht in der oberen rechten Ecke des Bildes angedeutete Erzengel Gabriel verkündet Zacharias, dass seine Frau trotz hohen Alters einen Sohn gebären wird - Johannes den Täufer.


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Jahrzehntelang dachte man, dass das Bild kein echter Rembrandt sei, sondern nur aus seiner Werkstatt kam. Laut Auskunft des Museums war das Gemälde im Jahr 1960 aus Rembrandts Oeuvre ausgeschlossen worden. Anschließend verschwand es aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und wurde 1961 von einer Privatperson gekauft. "Danach war es eigentlich vom Radar verschwunden", sagte Museumsdirektor Taco Dibbits. Die Eigentümer hatten dann doch eine Signatur von Rembrandt entdeckt und das Museum 2023 um eine Untersuchung gebeten. 

 

Arbeiten wie an Rembrandts "Nachtwache" zuvor

Die Experten untersuchten das Gemälde mit den modernsten analytischen Mitteln und Techniken. Mit deren Hilfe hatte das Rijksmuseum in den vergangenen Jahren auch eines der berühmtesten Rembrandt-Gemälde - "Die Nachtwache" - umfassend restauriert. Zwei Jahre Forschungsarbeit an der "Vision von Zacharias im Tempel" ergaben, dass die verwendeten Farben auch in anderen Werken Rembrandts aus jener Schaffensperiode benutzt wurden. 

Die Maltechnik und der Aufbau der Farbschichten seien ebenfalls vergleichbar mit anderen Frühwerken des Malers, erklärte das Museum.Rembrandts Gemälde "Nachtwache": eine Ansammlung von Männern mit Waffen und einer Trommel.Rembrandts Gemälde "Nachtwache": eine Ansammlung von Männern mit Waffen und einer Trommel.

 

Rembrandts "Nachtwache" wurde mit derselben Technik restauriert

Scans hätten "kompositorische Änderungen" enthüllt, "welche die Echtheit der Arbeit bestätigen".  Auch die Signatur gelte als echt und eine Analyse der Holzplatte habe bestätigt, dass das Datum 1633 auf dem Gemälde ebenfalls korrekt sei.

 

Ein typischer Rembrandt

"Die Art, wie das Gemälde aufgebaut ist, die verschiedenen Ebenen, waren typisch für Rembrandt", sagte Museumskurator Jonathan Bikker der AFP. "Und es ist ein dunkles Gemälde, und das Licht ist sehr wichtig." Bei Rembrandt gehe es vor allem um den Kontrast von Hell und Dunkel, fügte er hinzu.

Auch das biblische Thema sei typisch für die Arbeit des damals 27-jährigen Künstlers, betonte die Rembrandt-Expertin Petria Noble im Gespräch mit AFP. 1633 habe Rembrandt am Anfang seiner Karriere in Amsterdam gestanden und er sei "wirklich an Bibelgeschichten und Geschichtsbüchern interessiert" gewesen. "Also passte alles zusammen", sagte Noble.

Den Kunstwissenschaftlern zufolge stimmt das Gemälde perfekt mit anderen Arbeiten Rembrandts aus jener Zeit überein. "Es ist wunderbar, dass die Öffentlichkeit jetzt mehr über den jungen Rembrandt erfahren kann", zeigte sich der Direktor des Rijksmuseums erfreut. Das Gemälde sei "ein wundervolles Beispiel für die einzigartige Weise, in der Rembrandt Geschichten bildlich darstellt."

 

ka/sw (AFP, KNA, dpa)

Permalink - https://p.dw.com/p/59fga

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Rembrandt-Gemälde erzielen elf Millionen Euro

 

Das Auktionshaus Christie's in London hat zwei Rembrandt-Gemälde versteigert. Fast 200 Jahre waren sie der Öffentlichkeit verborgen geblieben.

 

Vor fast 200 Jahren ersteigerte eine britische Familie beim Auktionshaus Christie's zwei Ölporträts des niederländischen Meisters Rembrandt aus dem 17. Jahrhundert. Seitdem blieben die Gemälde der Öffentlichkeit verborgen, in der Kunstszene und Wissenschaft gerieten sie völlig in Vergessenheit. Am 6. Juli 2023 gehörten die Bilder zu den Höhepunkten des Christie's Old Masters Sale. Während der Schätzpreis für die im Paket verkauften Bilder im Vorfeld der Auktion bei fünf bis acht Millionen Pfund (sechs bis zehn Millionen Euro) lag, wechselten sie schließlich für 9,5 Millionen Pfund (rund 11,1 Millionen Euro) den Besitz.

 

Ein Klempner und dessen Frau

Die 20 Zentimeter hohen, ovalen Gemälde sind die kleinsten bekannten Porträts Rembrandts. Sie zeigen einen älteren Klempner namens Jan Willemsz van der Pluym und seine Frau, Jaapgen Carels. Die van der Pluyms hatten einst einen Garten in Rembrandts Heimatstadt Leiden erworben, in direkter Nachbarschaft zur Mutter des Malers. Im Jahr 1635, als beide Werke entstanden, lebte Rembrandt bereits in Amsterdam. Als erfolgreicher Künstler war er für seine großen Porträts bekannt, die er im Auftrag wohlhabender Familien malte. Zwischen dem dargestellten Paar und dem Künstler bestanden auch familiäre Bindungen. Van der Pluyms einziges Kind, der Künstler Karel van der Pluym, heiratete die Tochter von Rembrandts Onkel.

 

Wechselnde Besitzer

Die Porträts blieben bis 1760 im Besitz der Familie und wurden dann bei einer Auktion in Amsterdam verkauft. Sie gelangten in verschiedene prestigeträchtige Sammlungen europäischer Grafen und Barone, bevor sie 1824 bei Christie's versteigert wurden, gelistet als "Rembrandt - sehr temperamentvoll und fein koloriert". Henry Pettifer, stellvertretender Vorsitzender für Gemälde alter Meister bei Christie's International, stieß bei einer Bewertung der Kunstsammlung der britischen Besitzerfamilie auf die beiden Gemälde. 

"Die Familie mochte die Bilder, war sich aber nie sicher, ob sie von Rembrandt stammten und hat sie nie untersuchen lassen", sagte Pettifer der "Washington Post". "Ich war wirklich verblüfft, als ich entdeckte, dass die Bilder nie wirklich erforscht und in der Literatur über Rembrandt im Laufe von 200 Jahren nie erwähnt worden waren", sagte Pettifer der Nachrichtenagentur AFP. Unter Einbeziehung forensischer Mittel prüften Kunstexperten die Echtheit der Werke. Beteiligt war das Amsterdamer Rijksmuseum, das mit 22 Werken die größte Rembrandt-Sammlung der Welt besitzt.

 

Genaue Echtheits-Prüfung

Die Forscher rekonstruierten alle ehemaligen Besitzverhältnisse der Gemälde und prüften Rembrandts Unterschriften. Es vergingen fast zwei Jahre, bis das Ergebnis feststand: Es handelt sich bei den Porträts tatsächlich um originale Werke von Rembrandt. Henry Pettifer bezeichnete die wiederentdeckten Gemälde als "eine der aufregendsten Entdeckungen, die wir in den letzten Jahren auf dem Gebiet der alten Meister gemacht haben". Es ist nicht das erste Mal, dass Christie's mit der Versteigerung von wiederentdeckten Rembrandt-Werken Schlagzeilen macht. 

Im Jahr 2009 versteigerte das Auktionshaus das "Porträt eines Mannes mit gestemmten Armen" per Telefongebot. Das 1658 entstandene Gemälde war fast 40 Jahre lang nicht öffentlich zu sehen gewesen und wurde für 20,2 Millionen Pfund (zu diesem Zeitpunkt rund 23,5 Millionen Euro) verkauft. Im Jahr 2016 verhandelte Christie's den Verkauf zweier Rembrandt-Porträts aus der Rothschild-Sammlung an den Pariser Louvre und das Rijksmuseum in Amsterdam. Die begehrten Porträts waren seit 1956 nicht mehr ausgestellt worden und waren ebenfalls unbekannte Werke von Rembrandt.

 

Autors: Shlomit Lasky, Torsten Landsberg

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