Rom: Ärger um Engel mit angeblichem Meloni-Gesicht

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Der restaurierte Engel in einer Basilika trägt offenbar die Züge der italienischen Ministerpräsidentin - und sorgt in Italien für Aufregung. Jetzt hat das Bistum eine Entscheidung "auf höchster Ebene" angekündigt.

 

Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" behauptete in einem Bericht, der Engel in der Basilika San Lorenzo in Lucina sei so verändert worden, dass er der ultrarechten 49-jährigen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ähnele. "Vor der Restaurierung war es ein ganz gewöhnlicher Putto. Heute hat er das Gesicht der mächtigsten Frau des Landes", hieß es in dem Artikel vom 31. Januar.

Die Diözese Rom und das italienische Kulturministerium reagierten schnell und leiteten Untersuchungen ein. Die raschen Reaktionen deuten darauf hin, dass man wenig Toleranz gegenüber einer Figur zeigt, die viele für unpassend in einem sakralen Raum halten. Meloni selbst nahm den Vorfall mit Humor. Sie postete auf Instagram ein Bild der geflügelten Figur und schrieb dazu: "Nein, ich sehe definitiv nicht aus wie ein Engel."

Inzwischen hat die Basilika eine Art Promi-Status erlangt. Medienberichten zufolge strömen Menschen herbei um Fotos vom "Meloni-Engel" zu machen. Dabei stören sie auch schon mal einen Gottesdienst. Die Kirche liegt in der Nähe von Roms berühmtesten Touristenattraktionen wie der Spanischen Treppe oder dem Trevi-Brunnen.

 

Huldigung der Monarchie?

Im Jahr 2000 wurde eine der vorderen Kapellen der Basilika renoviert und dabei eine Büste des letzten italienischen Königs, Umberto II., hinzugefügt. Um die Büste herum zeigen Wandfresken zwei Engel. Der eine Engel reicht dem in Ungnade gefallenen Herrscher die Krone. Der andere hält eine Schriftrolle mit den Umrissen Italiens in der Hand - und trägt jetzt nach Ansicht vieler Melonis Gesichtszüge. 

Dass dies für Aufregung sorgt, hat gute Gründe: Italien hatte die Monarchie nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft, weil sie den faschistischen Führer Benito Mussolini unterstützt hatte. Melonis Partei wiederum führt ihre Wurzeln auf die neofaschistische Bewegung zurück, die nach dem Ende von Mussolinis Herrschaft entstand. Dass der Engel nun aussieht wie die Ministerpräsidentin von der Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens), stößt vielen Menschen unangenehm auf.


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Seit dem Zeitungsbericht melden sich Stimmen aus allen Lagern zu Wort. Die oppositionelle Fünf-Sterne-Bewegung äußerte scharfe Kritik und erklärte in einer Stellungnahme: "Wir können nicht zulassen, dass Kunst und Kultur Gefahr laufen, zu einem Werkzeug für Propaganda zu werden - unabhängig davon, ob das dargestellte Gesicht das der Ministerpräsidentin ist oder nicht." Der Restaurator selbst, der 83-jährige Bruno Valentinetti, der laut "La Repubblica" dem rechten Lager zugetan sei, wies gegenüber italienischen Medien zurück, dass Meloni Einfluss gehabt habe. Er sagte, er habe lediglich sein eigenes Originalgemälde aus dem Jahr 2000 restauriert.

 

Kein Missbrauch sakraler Kunst

Der Pfarrer der Kirche räumte die Ähnlichkeit ein, maß ihr jedoch keine Bedeutung bei. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP verwies er darauf, dass es eine lange Tradition gebe, bekannte Persönlichkeiten in Kunstwerken darzustellen. Der Generalvikar von Rom, Kardinal Baldassare Reina, hat dagegen rasch gehandelt, eine Untersuchung angekündigt und betont, dass politische Figuren keinen Platz in der kirchlichen Kunst hätten.

"Mit der Erneuerung des Engagements der Diözese Rom für den Erhalt ihres künstlerischen und spirituellen Erbes wird nachdrücklich bekräftigt, dass Bilder der sakralen Kunst und der christlichen Tradition nicht missbraucht oder instrumentalisiert werden dürfen, da sie ausschließlich dazu bestimmt sind, das liturgische Leben sowie das persönliche und gemeinschaftliche Gebet zu unterstützen", erklärte die Diözese in einer Stellungnahme.

 

Eine Entscheidung von "ganz oben"

Die nationale Denkmalbehörde prüft unterdessen nach eigenen Angaben, ob der Engel wieder in seinen Originalzustand versetzt werden muss. Falls es für die eigenmächtige Veränderung durch den Restaurator keine Genehmigung gab, soll der Engel wieder sein ursprüngliches Gesicht erhalten. Die Entscheidung über die Zukunft des Engels wird nach Angaben des Bistums "auf höchster Ebene" getroffen. Höher kann es kaum gehen, denn alle Kirchen Roms unterstehen Papst Leo XIV., der zugleich Bischof von Rom ist. 

 

Adaption aus dem Englischen: Silke Wünsch (mit dpa/ap)

Autorin Sarah Hucal

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