Wiedereröffnung: Das Haus der Geschichte ist jünger geworden

9 Dez

FОТО: PIXABAY.COM.


Nachkriegszeit, Mauerfall, Ahrtalflut: Die neue Dauerausstellung im Haus der Geschichte in Bonn macht 80 Jahre deutsche Geschichte lebendig - und endet mit einem Protest von heute.

 

Das jüngste Exponat im Bonner Haus der Geschichte findet sich - logischerweise - ganz am Ende der chronologisch aufgebauten neuen Dauerausstellung mit dem Titel "Du bist Teil der Geschichte". Es ist ein rotes Protestschild gegen das neue Wehrdienstgesetz mit der Aufschrift "Löhne rauf, Rüstung runter". Eine Mitarbeiterin des Museums hatte es in der vergangenen Woche direkt von der Demonstration auf der Bonner Hofgartenwiese mitgenommen. Nun hängt es als Dokument der Zeitgeschichte im letzten der fünf Zeiträume mit dem Titel "Heute". 

Wer durch die Räume mit ihren rund 3800 Exponaten läuft, fühlt sich wie auf einer Zeitreise durch die vergangenen acht Jahrzehnte deutscher Geschichte - vom Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bis eben heute. Zu sehen ist nahezu alles, was in der deutschen Geschichte - West wie Ost- wichtig war und ist. Zeitgeschichte erlebbar zu machen, das ist das Ziel der neuen Dauerausstellung, die mit 25 Millionen Euro Sondermitteln finanziert wurde. Sechs Jahre lang wurde sie geplant und gestaltet; nach einer 14-monatigen Schließung jetzt also die Wiedereröffnung. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der Bundeskanzler Friedrich Merz kurzfristig beim Festakt in Bonn vertrat, zeigte sich bei einem ersten Rundgang beeindruckt: "Die neue Dauerausstellung ist ein wunderbarer Spiegel unserer Zeitgeschichte."

 

Dauerausstellung mit Wiedervereinigung als Mittelpunkt

Auch vor dem Umbau gehörte das Haus der Geschichte, das 1994 eröffnet wurde, zu den meistbesuchen Museen Deutschlands. Doch bis 2024, so sagen es die Museumsverantwortlichen selbst, war eine gewisse Unwucht bei der Gewichtung der einzelnen Abschnitte entstanden. So waren die 35 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer auf einer ebenso großen Fläche untergebracht wie die ersten vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das ist nun anders: Die Wiedervereinigung findet in der Mitte statt, die 45 Jahre davor erhalten genau so viel Fläche wie die 35 Jahre danach. Aktuelle Debattenthemen wie Einwanderung und Integration, Rassismus, queeres Leben, Klimapolitik oder auch Mediennutzung bekommen nun deutlich mehr Raum. Dutzende Zeitzeugen erzählen ihre persönliche Geschichte und wecken so Emotionen - ebenso wie eine schlammverschmierte Puppe aus dem überfluteten Ahrtal von 2021. Damit können sich gerade junge Menschen die wichtige Frage "Was geht mich das an?" deutlich leichter beantworten.


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Dabei helfen auch zahlreiche interaktive Elemente wie etwa eine Station, in der man seine eigene Silhouette auf Bilder von historischen Ereignissen wie etwa dem Mauerfall oder dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 setzen kann. Oder eine Abstimmung über die Frage "Welche Forderung finanzierst Du?": Die vorgegebene Antwort - "Militär stärken", "Wildtiere schützen" oder eine hälftige Teilung - gibt man auf original Bundestagssitzen und kann das Ergebnis gleich sehen. So einfach geht Demokratie. "Wir möchten zeigen, wie Geschichte entsteht - und wie jede und jeder sie in einem demokratischen Rechtsstaat durch das eigene Handeln prägt", erklärt Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. 

 

Weimer: Haus der Geschichte "zentrales Element unseres Selbstbildes"

Das Haus der Geschichte (mit Zweigstellen in Berlin und Leipzig) ist auch ein bedeutendes Archiv des Landes. Mehr als eine Million Objekte sind in seinem Fundus gelagert. Kulturstaatsminister Weimer unterstrich die Bedeutung des Museums als "ein zentrales Element unseres Selbstbildes und unserer Reflexion". Die neue Dauerausstellung frage: "Was haben wir für eine Demokratie, was ist das für eine Republik?", so Weimer. "Deutschland wurde häufig beschrieben als eine Demokratie auf Bewährung. Und hier lernt man, dass wir nach achtzig Jahren schon auch eine bewährte Demokratie sind, mit all ihren Diskussionen und Spannungen. Dieses Abbild zu geben, ist ein großer Verdienst dieser Ausstellung."

Das Haus der Geschichte mit seiner Dauerausstellung "Du bist Teil der Geschichte" ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

Autorin Katharina Abel

Permalink - https://p.dw.com/p/54vhH

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Deutschlands Industrieriesen im Reich der KI

 

Siemens, BASF und VW investieren Milliarden in KI, um zu den USA und China aufzuschließen. Das ist eine gewaltige Herausforderung, bei der zudem noch hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

 

Steigt Deutschland wirtschaftlich weiter ab? Wird Europas größte Volkswirtschaft zu einem "Industriemuseum" verkommen? Diese Ängste greifen schon seit Jahren um sich. Damit es nicht soweit kommt, brauchte es radikale Modernisierungsschritte - und dazu gehört auch künstliche Intelligenz (KI). Die Produktivität in Deutschland stagniert seit 15 Jahren, der Exportanteil von Automobilen und Maschinen schrumpft, und Deutschlands Energiekosten zählen zu den höchsten der G7-Staaten. 

Diese Faktoren schaffen eine toxische Mischung, die die Wettbewerbsfähigkeit des Landes mehr und mehr untergräbt. Politiker und Wirtschaftsführer sind überzeugt, dass es nur ein kurzes Zeitfenster gibt, um diesen Abwärtstrend umzukehren, und zwar durch die Integration von KI in Fabriken und Lieferketten. So könnte Deutschland zu den beiden größten Akteuren der Welt, den USAund China, aufschließen.

 

Stressresistente KI-Systeme            

Bei der Einweihung von Europas erstem Exascale-Supercomputer Jupiter im September betonte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass sich die beiden Weltmächte ein Kopf-an-Kopf-Rennen um künftige Marktanteile in einer KI-gestützten Weltwirtschaft liefern. "Wir in Deutschland und in Europa haben alle Chancen, aufzuholen und dann mitzuhalten", sagte er den Teilnehmern der Auftaktveranstaltung im westdeutschen Jülich. Die USA und China haben mit KI-Modellen wie ChatGPT und DeepSeek, mit fortschrittlichen Chips und industriellen Stresstests von Rechenzentren große Fortschritte erzielt. Ihre ersten Tests beweisen, dass ihre Systeme KI-Workloads in geschäftskritischem Umfang ohne Ausfallzeiten bewältigen können.

 

Endlose Pilotprojekte

Deutschlands Industriegiganten hingegen werden beschuldigt, in einer Art Pilotprojekt-Schwebezustand festzustecken. Sie experimentierten zwar mit KI, zögerten aber, ambitionierte Projekte vollständig umzusetzen. Bosch beispielsweise startete Ende 2023 generative KI-Pilotprojekte in seinen Werken, um Produktionsplanung und -überwachung zu optimieren. Volkswagen hat in Zusammenarbeit mit Siemens KI-gestützte digitale Zwillingsfabriken getestet - virtuelle Nachbildungen von Produktionslinien, die es Ingenieuren ermöglichen, die Leistung zu simulieren, vorherzusagen und zu verbessern.

Obwohl diese Projekte als innovativ gelobt wurden, beschränkten sie sich bis vor Kurzem aufgrund rechtlicher und sicherheitstechnischer Bedenken auf begrenzte Testläufe anstatt einer vollständigen oder teilweisen Einführung. "Vielen Unternehmen fehlen noch klare KI-Strategien und die nötige Kompetenz für das Change-Management", sagte KI-Experte und Autor Thomas Ramge zur DW. "Daher lassen sich Pilotprojekte nicht auf den Kernbetrieb übertragen."

Sobald die deutschen Industrieunternehmen den wirtschaftlichen Nutzen von KI nachweisen können, so Ramge weiter, werden das fundierte Fertigungs-Knowhow und das Netzwerk kleiner und mittlerer Zulieferer, die in große Lieferketten eingebunden sind, deutschen Firmen helfen, den Rückstand aufzuholen. Das deutsche Wirtschaftsministerium prognostiziert, dass KI ab 2026 mindestens einen zusätzlichen Prozentpunkt zum jährlichen realen BIP-Wachstum beitragen könnte.

 

Zu wenig Fachkräfte, zu wenig Chips

Deutsche Unternehmen stehen nicht nur im globalen Wettbewerb um die besten IT-Fachkräfte und die für KI benötigten High-End-Chips, sondern sind auch risikoscheu - angesichts hoher Vorlaufkosten und einer Unternehmenskultur, die Vorsicht vor disruptiven Innovationen bevorzugt. Sie müssen sich zudem mit regulatorischer Unsicherheit auseinandersetzen, insbesondere im Hinblick auf die KI-Richtlinie der EU. Kritiker bemängeln deren übermäßige Komplexität, die unklaren Definitionen und die strengen Compliance-Regeln für als risikoreich eingestufte Anwendungen. Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, die vollständige Umsetzung der Richtlinie bis August 2027 zu verschieben.

Trotz der vielen Hürden schreitet die KI-Einführung in Deutschland rasant voran. Laut einer im Mai vom ifo Institut in München veröffentlichten Studie nutzen bereits 41 Prozent der Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen - ein Anstieg um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast jedes fünfte Unternehmen plant die baldige Einführung. Die großen Industrieunternehmen geben eindeutig den Ton an: Mehr als die Hälfte setzt KI bereits ein. Die Studie verdeutlicht jedoch auch weiterhin bestehende Bedenken. Viele kleinere Unternehmen und Branchen - darunter Einzelhandel, Gastgewerbe und Bauwesen - bleiben zurückhaltend, bei einigen steht KI gar nicht auf der Agenda.

Klaus Wohlrabe, Leiter des ifo-Instituts, erklärte gegenüber der DW, die Technologie sei zwar eine nützliche Unterstützung für Arbeitnehmer, es gebe aber noch "offene Fragen" zum Umfang des KI-Einsatzes in Geschäftsprozessen. Die Aussichten seien "zweifellos vielversprechend. Unternehmen tun sich jedoch schwer, etablierte Prozesse umzustrukturieren." Es herrsche spürbare Unsicherheit, so Wohlrabe.Neben der uneinheitlichen Akzeptanz offenbart die Umfrage eine drohende Herausforderung für den Arbeitsmarkt. Mehr als ein Viertel der deutschen Unternehmen rechnet in den nächsten fünf Jahren mit Stellenabbau durch KI, während nur eine kleine Minderheit mit der Schaffung neuer Stellen rechnet.

Alexandre Mendonca, Mitarbeiter des Brüsseler Thinktanks Bruegel, verweist auf den durch den globalen KI-Boom ausgelösten Fachkräftemangel: "Deutsche Unternehmen haben große Schwierigkeiten, Fachkräfte für diese Technologie zu finden", sagte Mendonca gegenüber der DW. "Die bloße Einführung reicht nicht aus - die Fähigkeit, KI zu nutzen, ist entscheidend."

 

Deutschlands wachsende KI-Erfolge

Deutschland mag bei der flächendeckenden Einführung von KI im industriellen Maßstab vorsichtig sein, doch einer seiner Wirtschaftsgiganten gestaltet bereits die globale Infrastruktur hinter dem aktuellen KI-Boom. Siemens ist ein wichtiger Bestandteil der "Vier großen Rechenzentren Europas" - neben Legrand aus Frankreich, Schneider Electric und ABB aus der Schweiz. Diese vier Unternehmen liefern die Automatisierungssysteme, Stromnetze und Kühltechnologien, die den zuverlässigen Betrieb von Hyperscale-KI-Anlagen gewährleisten. Sie sind die einzigen europäischen Firmen, die in puncto Größe mit dem Silicon Valley mithalten können. Auch die deutsche Automobilindustrie setzt KI in großem Umfang ein: Laut einer Ifo-Studie nutzen bereits über 70 Prozent der Automobilhersteller und Zulieferer sie in der Produktion. Ramge warnt jedoch, dass diese Implementierungen zwar unerlässlich, aber möglicherweise nicht ausreichend sind, um die zahlreichen Herausforderungen der Automobilindustrie zu bewältigen.

Dazu gehören die schwankende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, die explodierenden Energiekosten und die Konkurrenz aus China. "KI wird eine notwendige Voraussetzung für das Überleben der Automobilindustrie sein - durch softwaredefinierte Fahrzeuge, intelligentere Produktion und ein besseres Lieferkettenmanagement -, aber sie allein wird nicht genügen", sagte Ramge der DW. "Strategie, Kostenstrukturen und Industriepolitik müssen sich parallel zur KI-Implementierung weiterentwickeln." Auch außerhalb der Industrie hat Deutschland Erfolge mit KI erzielt. SAP hat generative KI über einen Co-Piloten namens Joule in seine weltweit eingesetzte Unternehmenssoftware integriert, während der Versicherungskonzern Allianz KI global für Risikomodellierung und Betrugserkennung einsetzt.

 

Fachkräfte könnten für Wachstum sorgen

Je schneller deutsche Unternehmen KI einführen, desto größer werden die erwarteten Vorteile sein und desto besser können einige der größten Probleme des Landes gelöst werden. Ein Bericht der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2023 prognostizierte, dass das jährliche Produktivitätswachstum im nächsten Jahrzehnt um bis zu 1,5 Prozent steigen könnte, während das jährliche BIP um bis zu 450 Milliarden Euro wachsen und der Stromverbrauch deutscher Fabriken um ein Viertel sinken könnte.

Obwohl Deutschland bei der KI-Einführung vielen anderen EU-Ländern voraus ist, geht Bruegels Mendonca davon aus, dass der Fortschritt des Landes weiterhin durch den anhaltenden Fachkräftemangel und den Wettlauf um die Ausbildung neuer Mitarbeiter angesichts der rasanten technologischen Entwicklung gebremst wird. "Deutschlands Technologie- und Wissenschaftssektor sind führend bei der KI-Einführung. Gleichzeitig herrscht in diesen Sektoren aber auch Fachkräftemangel", sagte er. "Diese Fachkräfte gibt es derzeit nicht - wir müssen also vorausschauend denken."

 

Autor Nik Martin

Permalink - https://p.dw.com/p/54xop


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