Liquid labour (case no. 1) - Uraufführung


Start: 22.11.2019, 19:00
Location: Uferstraße 23, 13357 Berlin, Deutschland
Description: „Sie erschufen diesen gefakten mikro-Markt, der uns zwingt, gegeneinander anzutreten. Die Straßen aber gehören uns. Der Verkehr, der Wind, der Regen, Erschöpfung und Langeweile, Fahrradpannen – das haben wir überlebt. Deliveroo mochten wir nie. Aber die Straßen haben wir trotz Deliveroo einfach geliebt.“ „Ich kann es spüren, das Verlangen danach die Herausforderung zu bewältigen, den Verkehr, den Zeitdruck, die Müdigkeit – es gibt da dieses Gefühl von Adrenalin, von Freiheit. Eine Art Freiheit zumindest, obwohl es keine wirkliche Freiheit ist. Ich betrüge mich selbst, wenn ich mich frei fühle während ich eigentlich gebunden bin oder wenn ich mich unabhängig fühle, obwohl ich eine untergeordnete Position einnehme.“ Liquid Labour (case no.1) ist eine Performance über die Gig Economy und darüber, als Fahrradkurier tätig zu sein, aufgeführt von drei ehemaligen Deliveroo-Kurieren. Die Performance erkundet die Arbeit für eine sogenannte „platform economy“: einem Geschäft, das von großen internationalen Technologieunternehmen geführt wird, die die sich selbst als innovative Unternehmen der Zukunft verstehen. Liquid Labour (case no.1) ist eine Aufführung von drei menschlichen Körpern, von Fahrrädern, Smart Phones und Blue-tooth Lautsprechern; es ist eine Aufführung, die physische Anstrengung, piepende Apps und Beschimpfungen auf Whatsapp beinhaltet. Liquid Labour (case no.1) untersucht die Erfahrung menschliche Arbeitskraft für eine Ökonomie zur Verfügung zu stellen, in der alles möglichst flüssig und kompakt sein muss. Sie zeigt das Nebeneinander von roher körperlicher Arbeit auf den Straßen der Stadt und der immateriellen Macht, die aus der Kontrolle von Daten und Informationssystemen hervorgeht. In diesem perfektionierten Geschäft wird auch die Identität der Arbeit- nehmer*innen zum Objekt von Manipulationen, die darauf abzielen, eine perfekte neoliberale Subjektivität zu erzeugen: die Formung einer Person, die die Arbeitsbedingungen der liquid economy bereitwillig annimmt. Dennoch handelt die Performance auch von dem Reiz und der Freude daran, den eigenen Lebensunterhalt durch das Fahrradfahren zu verdienen. Dass das physische Überleben in der Stadt und Leben als solches von der eigenen Beinmuskulatur abhängt, ist ein Gefühl, das süchtig macht. Es wird zu einer Sucht, welche die Kapitalist*innen gerne zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. Diese Erfahrungen werden zu einem Element in einem Spiel, in dem die Unternehmen die Regeln festlegen, während die Arbeiter*innen das Bestmögliche aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Raum herausholen. Es ist ein Spiel, bei dem der minimale Handlungs- spielraum genutzt wird, um Gefühle von Unabhängigkeit und individuellem Sieg zu erzeugen. Liquid Labour wird unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa Choreografie / Performance / Text: Akseli Aittomäki Performance / Text: Dolita Bubnyte, Mike Dean Sound Design: Carlo Philipp Thomsen Lichtdesign: Hanna Kritten Tangsoo PR: Felicitas Zeeden Foto: Akseli Aittomäki
Source: reservix.de
Support: WEB.iXYt